Overbeck: „Grenzen sind nicht geeignet, Identität zu schützen“

Am Dreikönigstag ruft der Essener Bischof die Christen dazu auf, Abschottungstendenzen zu widersprechen

Eine Einmischung der Christen in die Politik hält der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck für dringend geboten, wenn in Deutschland, Europa oder der Welt Grenzen gezogen würden, die mit Abwehrmechanismen und Abschottungen verbunden seien. Grenzen und Mauern seien nicht geeignet, Identität zu schützen oder Heimat zu beschreiben, stattdessen würden sie die Welt verkleinern und Perspektiven verengen, sagte Overbeck in seiner Predigt zum Dreikönigstag. Die Menschenwürde verbiete es, „Grenzen für Menschen in Not zu schließen, sie im Wasser des Mittelmeeres oder sonst wo ertrinken oder in Stacheldrahtverhauen von Grenzen verbluten zu lassen“, so Overbeck. Ebenso verbiete es sich, Menschen das Lebensrecht am Anfang zu nehmen oder es am Ende zu beschneiden.

Ebenso wie in der Weltgesellschaft funktioniere auch in der Kirche kein Bereich mehr unabhängig von allen anderen: „Der Globalisierung unserer Welt geht immer schon die Universalisierung unseres Glaubens voraus, der der Kirche keine Grenzen setzt“, sagte Overbeck im Essener Dom. Zwar habe die selbstbewusste Volkskirche zuvor eine große Strahlkraft und hohen gesellschaftlichen Einfluss, aber eben zugleich auch ihre Abgründe gehabt. Nach der neuen Erfahrung von Freiheit in der Kirche, wie sie das II. Vatikanische Konzil gebracht habe, finde der Glauben heute nicht mehr seine Grenzen in klassischen kirchlichen Traditionen und Gewohnheiten. Vielmehr sei der Glaube so beschränkt oder so grenzenlos, wie er vom einzelnen und in der Glaubensgemeinschaft gelebt werde: „Beides gehört zusammen.“

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